Am Ursprung der ‚Wirtschaft zur Waage'
steht der ehemalige Steinbruch am
Sulzkopf, der Fuhrleute ins Dorf brachte

Bericht zum 20-jährigen Jubiläum 2006


Steinbruch Sulzkopf mit Blick auf den Wartenberg und die oberrheinische Tiefebene
Aquarell von Peter Birmann, um 1808
Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett

Ansicht des Restaurant Waage um 1950, man erkennt die Brückenwaage mit dem Schild im Vordergrund des Geländers

Die 'Wirtschaft zur Waage' heute mit der Terrasse an einem
schönen Sommerabend

Ich heisse 'Flora' und stehe für die Qualität in diesem Hause. Vieles was Ihr heute verzehrt, stammt von meinen Mitschwestern und Brüdern. Es freut mich sehr, wenn Ihr auch dies bedenkt. In diesem Sinne wünsche ich guten Appetit.




  Urkundlich wird die Liegenschaft an der Hauptstrass 22 im 16. Jahrhundert zum ersten Mal erwähnt als Behausung mit ‚Scheune und Stall'. Das Haus ging in den kommenden Jahrhunderten an verschiedene Eigentümer über, meistens waren es Handelsleute aus Basel wie Daniel Bruckner, ein Registrator und Grossrat in Basel, der die Liegenschaft am 27. Juli 1761 an Samuel Hagenbach, Handelsmann und Grossrat in Basel verkaufte.


Mitte des 19. Jahrhunderts erwarb das Gebäude Georg Pfirter-Hammel. Er baute eine Brückenwaage vor dem Haus, damals schon für 20 Tonnen. Als Besitzer des Steinbruchs am Sulzkopf belieferte er die damals durch den Eisenbahnbau und den Bau der Vorstädte rasch anwachsende Stadt Basel mit Muttenzer Steinen.


Für die Fuhrleute, welche mit ihrer Ladung hier über die Waage fuhren, standen die gefüllten Schnapsgläser in einer Reihe auf der Fensterbank bereit. Natürlich wurden Ende der Woche die Trinkschulden vom Lohn abgezogen. So waren Waage und Wirtschaft schon immer miteinander verbunden. Die sogenannten Bruchsteine wurden Anfang des 20. Jahrhunderts durch die Backsteine abgelöst. Damit verlor der Steinbruch beim Sulzkopf allmählich seine Bedeutung wieder. Die Pauluskirche und der Badische Bahnhof sind Bauten aus dieser Zeit, welche mit Sulzkopfsteinen erstellt wurden.


Im Jahre 1921 kaufte Rudolf Meyer, der Grossvater der heutigen Besitzerin, die Liegenschaft. Man lebte von der Landwirtschaft, der Brückenwaage und der Wirtschaft. Letztere wurde viel von Jägern, Reitern und Handwerksleuten besucht. Berühmt waren damals die ‚Metzgete', wo die Gäste in Schichten bewirtet wurden.


Ende 1965 gab die Familie Bringold-Meyer die Landwirtschaft auf. Ein Teil des Gebäudes war an den Musikverein Muttenz vermietet, wovon ältere Mitglieder immer noch von der berühmten ‚Heuboden-Chilbi' und anderen Anlässen erzählen. Die Brückenwaage stand bis 1978 in Betrieb.


Das Restaurant wurde mit dem Umbau von 1981/83 im Landwirtschaftstrakt neu erstellt und vergrössert. Seit dieser Zeit präsentiert sich der Betrieb in der heutigen Form mit der Dorfwirtschaft im Parterre, Restaurant mit italienischer Note mit Pizzeria im 1. Stock und einem Bankett-Keller im Soussol. Die Terrasse vor dem Haus ist in den Sommermonaten der grosse Treffpunkt und ist bei den Gästen sehr beliebt.


Seit kurzem begrüsst unsere Kuh ‚Flora' beim Eingangstor unsere Gäste. Sie soll den Eintretenden daran erinnern, dass neben anderen Tieren hier einmal auch Kühe hausten. Weiter steht sie für die Richtung und Idee des Hauses ‚so naturnah und artgerecht wie möglich einkaufen und produzieren'.



Daher unser Slogan: ‚Natürlich in d'Woog'